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Zum halben Leben ansich

Die Tür fällt ins Schloss. Der Raum ist nun verlassen, die Dinge sind lebendig und verselbständigen sich. So sieht es die Fantasie eines Kindes, das heimlich durchs Schlüsselloch die scheinbar losgelösten Gegenstände beobachtet.
Wie solch ein unbemerkter, naiver Blick in ein verlassenes Zimmer wirken die Fotoinszenierungen von Tamara Lorenz. Die Dinge sind ihrem eigentlichen, von uns bestimmten Zweck enthoben und formieren sich zu unabhängigen Konstellationen, als wollten sie uns persiflieren?
Verbrauchsdinge wie Plastiktüten z.B., mit nichts anderem als Luft gefüllt, werden so zu Gedankenvakuen, die gleichzeitig auf den Kopf des abwesenden Sitzenden einsausen, und so die Konzentration auf eine Sache in den Wind blasen.
Oder Luft wird von einem Ventilator aufgewirbelt und füllt akkurat dekorierte Tüten zu leeren Volumen. Ein anderer leerer Luftsack, sitzt fest in einem Hocker: Ein halb statischer, halb dynamischer Moment, in dem die Haltung die entscheidende Rolle spielt. Die Form ist eine andere, doch "Das halbe Leben ansich" ist mit Nichts  gefüllte Leere. Gedankenstränge, die sich in sich selbst verlaufen, über die richtigen Entscheidungen, Ängste, Wünsche, Vorstellungen vom Leben, dem Sinn an sich. Es geht um Aufwärtswinde und Stolpersteine und sein Leben zu meistern. In der anderen halben Dauer können wir den Stimmungsachterbahnen der Zeit entgegen grienen, ähnlich dem Kind, das neugierig und erfreut das Tun der Dinge durchs Schlüsselloch beobachtet.
So ist vielleicht doch tatsächlich jemand über die Polstertüten umringte Leiter mutig in "einen guten Tag" emporgesprungen.

Ulrich Leschep, 2004, Zeitgleich - Zeitzeichen Katalog